Mittwoch, 26. November 2008

Lausbubengeschichten

Liebe Fanatiker(innen)
Es ist nicht so, wie es aussieht.
Ich bin nicht faul, ich bin einfach nur netzlos, untersurft, wie man in Informatikersprache sagt. Einer von den inklusive mir neun Gästen der Pousada hat anscheinend am Modem rumgebastelt und das Internet zur Flucht gezwungen. Ich schreibe gerade aus einem Internetcafé, das fast halb so teuer ist, wie die Benutzung des Computers der Pousada, dafür aber auch nur halb so schnell.
Es ist nicht so, wie es aussieht.
Ja, es stimmt, ich bin an einem einzigen Tag ohne zu übertreiben etwa hundertfacher Tiermörder geworden. Ich habe sie alle mit meiner Häkelnadel, die ja eigentlich für meine „Haare“ gedacht abgestochen. Ich habe jede einzelne Laus, die die Mae Social aus den Haaren von Mateus geholt hat ohne Anflug von Mitleid zerquetscht. Es waren etwa 100 Läuse, die es sich in seinen Haaren gemütlich gemacht haben und die beim zerquetschen immer ein Knackgeräusch gemacht haben. Und dabei sahen doch gerade die Haare vom Mateus immer so unscheinbar aus!
Nach dieser Prozedur hatte ich erst mal das Gefühl, ich müsse mich auch unbedingt am Kopf kratzen. Dabei kann ich ja gar keine Läuse bekommen, ich habe kurz nachdem ich hier angekommen bin ein Medikament genommen, damit ich keine Läuse bekomme und dieses Medikament funktioniert auch. Wie es funktioniert möchte ich gar nicht wissen, vielleicht ist der Schweiß meiner Kopfhaut vergiftet oder in meinen Haaren haben sich unsichtbare Läusepunks eingenistet, die den normalen Läusen so lange auf die Nerven gehen, bis sie gehen, wer weiß, wozu die heutige Pharmazie fähig ist!
Es ist nicht so, wie es aussieht.
Ein bisschen neidisch auf den Basti bin ich ja schon, ich bin jetzt schon fast 3 Monate hier und er erst 3 Wochen, trotzdem hat er schon härtere Geschichten miterlebt(siehe sein aktueller Post) und war vor mir in Rio. Basti ist auch die ganze Zeit am Blödsinn-Machen. Weil Eunice das von mir schon gewöhnt ist, bekomme ich dafür regelmäßig Ärger, worüber sich Basti natürlich kaputt lacht. Wenn ich Eunice dann den Sachverhalt so schildere, wie er ist, dass ich nämlich sowohl Opfer als auch Engel bin und Basti der Mörder war, sagt sie, Basti sei viel zu lieb, um Sachen durch die Küche zu werfen, Eiswürfel in den frischen Kaffee zu tun, etc.
Na ja, dafür wird er eines nie mitkriegen, nämlich wie schön es sein kann, alleine in der Pousada zu wohnen. Basti wird ein ganzes Jahr mit 4 lauten Italienerinnen, die uns immer bitten, die Musik leiser zu stellen, und mir zusammen leben müssen. Es gibt also noch Gerechtigkeit in dieser Welt.
Letzte Woche war ich dann auch das erste Mal in Rio. Da war ich aber so müde, dass ich mich einfach an die Copacabana geknallt habe und die Sonne auf mich habe knallen lassen, was sich jetzt dadurch äußert, dass sich meine Haut an den Oberarmen und dem Bauch ablöst. Das Gute dabei ist, dass man damit sein Umfeld belustigen kann. Die Kinder im Haus Herbalife und mein Chef in der CIDAH haben großen Spaß daran, meine Haut abzuziehen und „Ihh!“ zuschreien.
Auch Brasilien ist anscheinend nicht so, wie es aussieht. Um herauszufinden, wie es ist, muss ich euch jetzt grüßen und mich dann aus dem Staub machen.
Tut nichts, was ich nicht auch täte!

Irgendjemand muss ja wie Janis Joplin in maskulin aussehen

Daniel von Casa Herbalife und ich