Freitag, 12. Dezember 2008

Weihnachten auf der Treppe


Liebe Männer und Frauen des 21. Jahrhunderts,
die Vermutung liegt nahe, der Carl habe die Lust am Blogschreiben verloren, nachdem die Außenwelt so lange auf ein Lebenszeichen warten musste. Diese Vermutung möchte ich hiermit verwerfen, der Carl hat nämlich nur die Lust am sich Aufraffen zum Blogschreiben verloren. Sowohl Sie, geneigter Leser als auch Carl haben großes Glück, dass sich beim Carl im Großen nicht viel verändert hat.
Nachdem seit Bastis Ankunft das Wetter grottenschlecht war, es waren selten mehr als 25° C und es hat alle 2 Tage in Strömen geregnet, hat sich Brasilien an den zweiten Deutschen gewöhnt und hat uns ein paar Tage 38°-Wetter geschenkt, hier sieht man das Beweisfoto, man achte beim Wecker auf die Anzeige links unten.(Kann man das nicht sehen muss man einfach auf das Bild klicken) Die Absicht dieses Geschenkes bestand allerdings darin, dass ich gelernt habe, das Regenwetter wert zu schätzen, weil einem bei der brasilianischen Mittagssonne die Soße nur so runterläuft. Da würde ich nicht gerne als Weihnachtsmann vor dem Kaufhaus in Nova Iguaçu arbeiten.
Weihnachtsmann ist ein gutes Stichwort: Wir sind gestern mit allen Kindern und Verantwortlichen von Casa do Menor in das „Haus der Kinder“ gegangen und haben dort den Jahresabschluss gefeiert. In diesem Haus gab es alles, was man will, Computer mit Ballerspielen, Kabinen, in denen man sich als Disneys Schneewittchen oder als Tussi in Pink verkleiden konnte und viele Klettergerüste. Außerdem gab es Hot Dogs und „Pastelzinhos“, kleine Gebäcke mit Geflügelfüllung, bis zum Abwinken, was dazu geführt hat, dass mehrere Kinder gekotzt haben. Der Einzige, der überhaupt keinen Spaß hatte, war der Mateus, der von Anfang an nur geschrieen und geweint hat. Nach einer Stunde Freizeit kam schließlich der Moderator auf die Bühne, redete ein bisschen mit den Kindern und ließ die Kinder den Weihnachtsmann, der immer für alle Kinder da ist und nie ein Kind vergisst, rufen. Und er kam dann auch. Er sah genauso aus, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe, mit Adidasschuhen und blinkenden Sternen auf der Pudelmütze. Das war der Punkt, an dem Mateus vollkommen ausgerastet ist und nur noch geschrieen hat. Ich habe dann mit ihm den Raum verlassen und saß etwa eine Dreiviertelstunde mit Mateus in den Armen auf den Treppen des Hauses und das war für mich ernsthaft die absolute Weihnachtserfahrung.
In der Pousada hat sich ein komische Tradition entwickelt: Beim Essen sitzen Basti und ich an einem Tischende, zwischen uns ist eine Wand von 6 Italienerinnen, die nur italienisch reden und am anderen Tischende sitzt Eunice. Das bedeutet, dass in der Pousada Portugiesisch nur in Ausnahmefällen gesprochen wird, klingt komisch, ist aber so.
Ich wünsche euch allen noch eine gesegnete Adventszeit, tut nichts, was ich nicht auch täte!
Der Mateus sieht da schon ziemlich gequält aus, oder?
Alle Kinder und mães sociais aus Casa Herbalife, ohne Mateus und Carl, die machen gerade ultimative Weihnachtserfahrungen!