Freitag, 19. Dezember 2008

So gönne er ihnen doch ihre Ferien!

Liebe Regierenden und Regierten,

kennen Sie das Gefühl der Vorfreude auf die Sommerferien, der Unbeschwertheit nach der letzten Arbeit im Schuljahr? Diesen Hauch von Anarchie, der dann in der Luft liegt und danach verlangt, in den nächsten Wochen zu hause ausgelebt zu werden?

Diesen wichtigen Teil der Kindheit bekommen nun auch die Kinder aus meinem Haus Herbalife teilweise zum ersten Mal zu spüren. In Brasilien sind die Sommerferien nämlich im Sommer, was ja auch seine Logik hat, und dieser Sommer ist jetzt. Das kann man zwar streng genommen nicht am Wetter fest machen, Basti und ich haben uns bei einer Temperatursenkung von 37°C am einen auf 22°C am nächsten Tag leicht erkältet, aber es handelt es sich dabei um eine unumstößliche geographische Wahrheit, Brasilien liegt nämlich in der Südhalbkugel. In den sonst eigentlich ganz süßen Kinderköpfen vermehren sich zu dieser Zeit die Flausen, wie Moskitos in unserem Bad. Man hört an einem normalen Tag in Casa Herbalife mal Kinder, mal Sozialmütter schreien, es wird geweint, geflucht, ins Zimmer geschickt und hin und wieder einmal gegessen. Meine Pause, die ich immer nach dem Mittagessen hatte, kann ich jetzt vergessen, genauso wie die Idee, dass ich irgendwann zum Haare häkeln kommen würde. Immer will irgendein Kind spielen oder aufs Klo gehen und wenn ich abends nach hause komme, bin ich erst mal ziemlich geplättet.

Seitdem ich vor fast 4 Monaten gekommen bin, hat sich das Haus Herbalife von 9 auf 13 Kinder vergrößert. Der frischeste Neuzugang hat den spektakulärsten Start hingelegt. Zuerst erzählte er allen, er heiße Tiago, erst nach einiger Zeit hat sich herausgestellt, dass er eigentlich Alexandre heißt. Dieser sechsjährige Alex verfolgt die Strategie, am Anfang besonders viel Blödsinn zu machen, um die anderen Kinder zu beeindrucken. Das resultierte darin, dass er von den fünf Tagen, die er schon da ist, dreieinhalb in seinem Zimmer verbringen musste und das nicht wegen der Strenge der brasilianischen Erziehung: Er ist so frech zu den Mães sociais, dass ich manchmal fast laut lachen muss, schlägt andere Kinder, wirft Spielzeugautos nach den Babys und haut mir zwischen die Beine.

Von unseren 4 Babys ist eines ein Schreikind, das bedeutet, dass es nur dann aufhört, zu weinen, wenn man es auf dem Arm trägt oder wenn es schläft. Ein anderes, die Nathalie, ist mit 8 Monaten das älteste Baby und setzt ihre theoretische Kenntnis über das Schlagen anderer Babys sehr dominant in die Praxis um. Deswegen ist unser Haus fast nie ohne Babygeschrei.

Bei dem Kindergartenfest von der Bruna ist extra der österreichische Pfarrer der Pfarrei, Pater Rafael, gekommen. Nachdem er zwei Stunden gewartet hatte, bis er endlich dran war, erzählte er den Kindern drei Minuten lang etwas über Weihnachten, was sie sich wahrscheinlich nicht gemerkt haben, weil Sie sich schon auf Papãe Noël, also den Weihnachtsmann, freuten. Dieser kam dann auch direkt nach dem Pater und machte die Kinder glücklich. Es war aber wichtig, dass der Pater auch da ist, denn an Weihnachten feiern wir ja unter anderem auch Jesu Geburt und als gute Christen vergessen wir das auch nicht.

Ich wünsche euch allen gesegnete Weihnachten, genießt die Kälte, denkt an mich und tut nichts, was ich nicht auch täte!

Euer Carl

Carl beim Arbeiten

Freitag, 12. Dezember 2008

Weihnachten auf der Treppe


Liebe Männer und Frauen des 21. Jahrhunderts,
die Vermutung liegt nahe, der Carl habe die Lust am Blogschreiben verloren, nachdem die Außenwelt so lange auf ein Lebenszeichen warten musste. Diese Vermutung möchte ich hiermit verwerfen, der Carl hat nämlich nur die Lust am sich Aufraffen zum Blogschreiben verloren. Sowohl Sie, geneigter Leser als auch Carl haben großes Glück, dass sich beim Carl im Großen nicht viel verändert hat.
Nachdem seit Bastis Ankunft das Wetter grottenschlecht war, es waren selten mehr als 25° C und es hat alle 2 Tage in Strömen geregnet, hat sich Brasilien an den zweiten Deutschen gewöhnt und hat uns ein paar Tage 38°-Wetter geschenkt, hier sieht man das Beweisfoto, man achte beim Wecker auf die Anzeige links unten.(Kann man das nicht sehen muss man einfach auf das Bild klicken) Die Absicht dieses Geschenkes bestand allerdings darin, dass ich gelernt habe, das Regenwetter wert zu schätzen, weil einem bei der brasilianischen Mittagssonne die Soße nur so runterläuft. Da würde ich nicht gerne als Weihnachtsmann vor dem Kaufhaus in Nova Iguaçu arbeiten.
Weihnachtsmann ist ein gutes Stichwort: Wir sind gestern mit allen Kindern und Verantwortlichen von Casa do Menor in das „Haus der Kinder“ gegangen und haben dort den Jahresabschluss gefeiert. In diesem Haus gab es alles, was man will, Computer mit Ballerspielen, Kabinen, in denen man sich als Disneys Schneewittchen oder als Tussi in Pink verkleiden konnte und viele Klettergerüste. Außerdem gab es Hot Dogs und „Pastelzinhos“, kleine Gebäcke mit Geflügelfüllung, bis zum Abwinken, was dazu geführt hat, dass mehrere Kinder gekotzt haben. Der Einzige, der überhaupt keinen Spaß hatte, war der Mateus, der von Anfang an nur geschrieen und geweint hat. Nach einer Stunde Freizeit kam schließlich der Moderator auf die Bühne, redete ein bisschen mit den Kindern und ließ die Kinder den Weihnachtsmann, der immer für alle Kinder da ist und nie ein Kind vergisst, rufen. Und er kam dann auch. Er sah genauso aus, wie ich ihn mir immer vorgestellt habe, mit Adidasschuhen und blinkenden Sternen auf der Pudelmütze. Das war der Punkt, an dem Mateus vollkommen ausgerastet ist und nur noch geschrieen hat. Ich habe dann mit ihm den Raum verlassen und saß etwa eine Dreiviertelstunde mit Mateus in den Armen auf den Treppen des Hauses und das war für mich ernsthaft die absolute Weihnachtserfahrung.
In der Pousada hat sich ein komische Tradition entwickelt: Beim Essen sitzen Basti und ich an einem Tischende, zwischen uns ist eine Wand von 6 Italienerinnen, die nur italienisch reden und am anderen Tischende sitzt Eunice. Das bedeutet, dass in der Pousada Portugiesisch nur in Ausnahmefällen gesprochen wird, klingt komisch, ist aber so.
Ich wünsche euch allen noch eine gesegnete Adventszeit, tut nichts, was ich nicht auch täte!
Der Mateus sieht da schon ziemlich gequält aus, oder?
Alle Kinder und mães sociais aus Casa Herbalife, ohne Mateus und Carl, die machen gerade ultimative Weihnachtserfahrungen!

Mittwoch, 26. November 2008

Lausbubengeschichten

Liebe Fanatiker(innen)
Es ist nicht so, wie es aussieht.
Ich bin nicht faul, ich bin einfach nur netzlos, untersurft, wie man in Informatikersprache sagt. Einer von den inklusive mir neun Gästen der Pousada hat anscheinend am Modem rumgebastelt und das Internet zur Flucht gezwungen. Ich schreibe gerade aus einem Internetcafé, das fast halb so teuer ist, wie die Benutzung des Computers der Pousada, dafür aber auch nur halb so schnell.
Es ist nicht so, wie es aussieht.
Ja, es stimmt, ich bin an einem einzigen Tag ohne zu übertreiben etwa hundertfacher Tiermörder geworden. Ich habe sie alle mit meiner Häkelnadel, die ja eigentlich für meine „Haare“ gedacht abgestochen. Ich habe jede einzelne Laus, die die Mae Social aus den Haaren von Mateus geholt hat ohne Anflug von Mitleid zerquetscht. Es waren etwa 100 Läuse, die es sich in seinen Haaren gemütlich gemacht haben und die beim zerquetschen immer ein Knackgeräusch gemacht haben. Und dabei sahen doch gerade die Haare vom Mateus immer so unscheinbar aus!
Nach dieser Prozedur hatte ich erst mal das Gefühl, ich müsse mich auch unbedingt am Kopf kratzen. Dabei kann ich ja gar keine Läuse bekommen, ich habe kurz nachdem ich hier angekommen bin ein Medikament genommen, damit ich keine Läuse bekomme und dieses Medikament funktioniert auch. Wie es funktioniert möchte ich gar nicht wissen, vielleicht ist der Schweiß meiner Kopfhaut vergiftet oder in meinen Haaren haben sich unsichtbare Läusepunks eingenistet, die den normalen Läusen so lange auf die Nerven gehen, bis sie gehen, wer weiß, wozu die heutige Pharmazie fähig ist!
Es ist nicht so, wie es aussieht.
Ein bisschen neidisch auf den Basti bin ich ja schon, ich bin jetzt schon fast 3 Monate hier und er erst 3 Wochen, trotzdem hat er schon härtere Geschichten miterlebt(siehe sein aktueller Post) und war vor mir in Rio. Basti ist auch die ganze Zeit am Blödsinn-Machen. Weil Eunice das von mir schon gewöhnt ist, bekomme ich dafür regelmäßig Ärger, worüber sich Basti natürlich kaputt lacht. Wenn ich Eunice dann den Sachverhalt so schildere, wie er ist, dass ich nämlich sowohl Opfer als auch Engel bin und Basti der Mörder war, sagt sie, Basti sei viel zu lieb, um Sachen durch die Küche zu werfen, Eiswürfel in den frischen Kaffee zu tun, etc.
Na ja, dafür wird er eines nie mitkriegen, nämlich wie schön es sein kann, alleine in der Pousada zu wohnen. Basti wird ein ganzes Jahr mit 4 lauten Italienerinnen, die uns immer bitten, die Musik leiser zu stellen, und mir zusammen leben müssen. Es gibt also noch Gerechtigkeit in dieser Welt.
Letzte Woche war ich dann auch das erste Mal in Rio. Da war ich aber so müde, dass ich mich einfach an die Copacabana geknallt habe und die Sonne auf mich habe knallen lassen, was sich jetzt dadurch äußert, dass sich meine Haut an den Oberarmen und dem Bauch ablöst. Das Gute dabei ist, dass man damit sein Umfeld belustigen kann. Die Kinder im Haus Herbalife und mein Chef in der CIDAH haben großen Spaß daran, meine Haut abzuziehen und „Ihh!“ zuschreien.
Auch Brasilien ist anscheinend nicht so, wie es aussieht. Um herauszufinden, wie es ist, muss ich euch jetzt grüßen und mich dann aus dem Staub machen.
Tut nichts, was ich nicht auch täte!

Irgendjemand muss ja wie Janis Joplin in maskulin aussehen

Daniel von Casa Herbalife und ich

Mittwoch, 19. November 2008

Der neue VIDEOblog ist online!

Mit Dringliochkeit allerhoechster Stufe moechte ich auf unseren neuen Videoblog hinweisen: www.bastiundcarl.blogspot.com
Ein Video zu machen ist ungefaehr so viel Arbeit, wie 4 Blogs auf einmal zu schreiben, deswegen bedanke ich mich umso mehr fuer die Aufmerksamkeit!

Freitag, 14. November 2008

Heimweh

Liebe Buben und Maderln,
Aus den Radiolautsprechern, die hier alle 20 Meter an den Hauptstraßen stehen, weihnachtet es sehr. Daraus säuselt es „Oh, Tannebaum“ und „Leise rieselt der Schnee“ mit Technobeats unterlegt und im Einkaufszentrum von Nova Iguacu stehen überall weißbärtige Männer im roten Bademantel herum. Durch Benjamins Prophezeiung, hier komme keine Weihnachtsstimmung auf, entmutigt, habe ich mich schon auf Heimweh in der Adventszeit vorbereitet. Das ist, wie ich sehen kann gar nicht nötig, weil der Brasilianer Weihnachten nach dem Prinzip „Was nicht passt, wird passend gemacht“ angeht und mir so Weihnachten rettet wie Oliver Kahn 2002 Deutschland gerettet hat.
Der echte Weihnachtsmann, also nicht die Infiltration US-amerikanischer Hochkultur, hat uns ein Vorweihnachtsgeschenk gemacht in Form von vier weiteren Italienerinnen, die hier ein ganzes Jahr bleiben werden. Wir sind jetzt hier eine Brasilianerin, nämlich Mama Eunice, sechs Italienerinnen, Basti und ich. Die Zeiten, in denen in der Pousada portugiesisch gesprochen wird, sind endgültig vorbei.
Eigentlich ist jede einzelne dieser Italienerinnen erwähnenswert, ich möchte aber die farbigste Persönlichkeit herausheben, das ist Elena. Elena läuft in Anziehsachen aus den späten 60ern rum, raucht (wahrscheinlich alles Mögliche), weicht immer abends irgendwelche komischen, wirklich übel riechenden Körner in Wasser ein und trinkt sie am nächsten Morgen in einem Zug. Ich vermute, dass sie wenig Vertrauen in klassische Medizin hat, wofür ich durchaus Verständnis hätte, würde die Alternativmedizin denn gut schmecken. Mit dem Vorschlag, statt für die Gesundheit Körner zu essen, einfach mit dem Rauchen aufzuhören, warte ich lieber ein bisschen, bis ich sie besser kenne.
Jetzt ist die Frage: Wie könnte bei mir in solcher Gesellschaft Heimweh aufkommen?
Es kommt ja auch noch dazu, dass ich die Arbeit mit den Kindern echt genieße. Die verstehen nämlich mit der Zeit immer besser, dass ich nicht nur einen Monat bleibe und dann abhaue, sondern länger für sie da bin. Ich kann auch mittlerweile mehr mit ihnen machen als bloß durch die Luft schmeißen, ich schaue ihre Hausaufgaben nach und kann mit ihnen besser reden. Das Schönste ist, dass sie sich nicht besonders gut benehmen. Würden sie in der Realität so lieb sein, wie sie auf den Fotos aussehen, wäre es ja gar keine Herausforderung, hier zu arbeiten. Die Situationen, in denen ich, glaube ich, am meisten lerne, sind die, in denen sich die Kinder so richtig daneben benehmen. Man ist manchmal versucht, aggressiv zu werden, zu vergessen, dass man gerade dieses heulende Ding, das sich vor einem auf dem Boden wälzt, und seine Geschwister haut, lieben muss. Diese Liebesübung muss ich an schweren Tagen mehrmals machen. Aber die Arbeit mit den Kindern hat auch sehr schöne Seiten, sie küssen mich ohne Vorwarnung und lernen, bitte zu sagen, sie haben mitgekriegt, dass ich meinen Spielkaffee ohne Zucker, aber mit Milch trinke und sie haben es aufgegeben, meine Zauberkünste zu hinterfragen.
Genug vom Carl erfahren? Dann grüße ich euch ohne jeden Anflug von Heimweh sehr aus Rio de Janeiro,
tut nichts, was ich nicht auch täte!
Heimweh ist etwas für Du-Darfst-Esser, Rückgeldnachzähler und Toastabkratzer.

Schaut euch mal an, wie der Altamiro am Bass abgeht(ich musste versteckte Kamera machen, um das aus ihm rauszukitzeln)



Die Kinder vom Haus Reviver im Pool der CIDAH

Freitag, 7. November 2008

Was man nicht nicht wissen darf

Liebe Konsumenten,

um die Beschreibung meiner Arbeit für euch nicht zu einer Fremdsprachenstunde werden zu lassen, ist es, denke ich, angebracht, mal ganz von vorne anzufangen und die Grundlagen zu vermitteln.

Was ist Casa do Menor São Miguel Arcanjo?

Ende der 70er Jahre, glaube ich, kam ein italienischer Priester, Padre Renato in die Baixada von Rio de Janeiro, also in die sehr arme Vorstadt. Wie italienische Priester nun mal so sind, war er schockiert von den schwierigen Umständen, unter denen die Straßenkinder zu leben hatten. Nachdem er sich eine Zeit nur neben seinem Hauptberuf, nämlich Pfarrer für den Stadtteil zu sein, um die Kinder kümmern konnte, gründete er im Oktober 1986 Casa do Menor São Miguel Arcanjo und kümmerte sich fortan ausschließlich um Straßenkinder und Waisen zwischen 0 und 18 Jahren. Aus anfänglich seinem eigenen Haus ist ein riesiges Projekt geworden, das nicht nur in der Baixada, sondern auch in Rio selbst, Fortaleza und sehr vielen anderen brasilianischen Städten existiert. Überall dort wird den Kindern ein zu hause gegeben, in dem sie nicht nur auf Grund der Güte vieler spendender Europäer ein Dach über dem Kopf haben, sondern, wo sie auch geliebt und gewollt sind. Dann bietet Casa do Menor auch Ausbildungskurse zum Automechaniker, Friseur, Bäcker oder ähnliches an. Am Wochenende wird ein Programm für alle Jugendlichen der Umgebung angeboten, wo sie Capoeira, Tanzen oder Ähnliches machen können. Dieses Programm wird CIDAH genannt.

Wie sieht der Arbeitsplatz vom Carl aus?

Ich wohne in der Jugendherberge des Projekts in einem kleinen Zimmer. In Miguel Couto ist es so, dass die Häuser, in denen die Jugendlichen wohnen, Stück für Stück dazugekauft wurden, was bedeutet, dass es ein Zentrum mit Kapelle und den Ausbildungskursen gibt und die Häuser mehr oder weniger in der Nähe dieses Zentrums sind. Einige sind nur 5 Minuten Fußweg entfernt, zu anderen kann man nur mit dem Fahrrad hin.

Ich arbeite in dem „Haus Herbalife“ das, wie der Name schon sagt von der Firma Herbalife gesponsert wird. In diesem Haus gibt es 11 zum Großteil verlauste, ziemlich anhängliche, mir sehr ans Herz wachsende, kaum alphabetisierte, verspielte Kinder zwischen 0 und 9 Jahren. Es gibt auch 5 Sozialmütter, die sich um die Kinder kümmern sollten und die könnten kaum unterschiedlicher sein: Es gibt eine ganz strenge, eine Köchin, die sehr gesprächig ist, eine, die sehr schnell redet und ständig sexuelle Anspielungen macht und im Radio den Funksender einschaltet, eine Evangelikale, die immer wieder über den Glauben spricht und im Radio immer auf den Gebetssender umschaltet und eine ganz liebe, die als einzige Sozialmutter wirklich mit den Kindern spielt. Meine Aufgaben sind die Kinder zur Schule zu bringen, auf sie aufzupassen, mit ihnen zu spielen und, damit ich nicht vergesse, dass ich ein Zivi bin, ein bisschen spülen und fegen.

Kommt noch ein Witz?

Nö.






<----Die süße Talita

Freitag, 31. Oktober 2008

Sprichwörtlicher Frühjahrsputz

Liebe Mitglieder unseres geliebten Hasenzüchtervereins, liebe Kinder,

es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ein Zimmer so rein wie meine Seele habe ich mir immer gewünscht, sowohl in Deutschland, als auch hier in Brasilien. Während dieser Wunsch in Deutschland noch an mir selber scheiterte, gab mir das Schicksal hier in Brasilien gar keine Chance, schließlich trat ich das Erbe von zwei Zivipaaren ohne Übergangsphase an, die, wie man sich vorstellen kann, etwas Besseres zu tun haben, als ihr Zimmer zu putzen. Ich fände es interessant, mal das gesamte Bad zu mikroskopieren, auch wenn es lange dauern würde. Ich bin geneigt zu glauben, dass, wenn man das gesehen hat, man weder durch Gammelfleisch, noch durch Horrorfilme geschockt werden kann… Bis heute! Am Dienstag ist nämlich nach langem Warten der Basti angekommen und hat gleich mal das Bad geschrubbt. Nicht nur, wie ich es sonst mache, desinfiziert, nein, richtig geschrubbt. Und, ja, ich habe die Algen gesehen, die hier in den Ritzen wohnen. Das kann man nur noch mit den Haaren toppen, die ich aus dem Waschbecken geholt habe. Es war eine Hand voll. Das ist allerdings lange her, ich habe nur aus Demut und schweigendem Heldentum nichts davon im Blog geschrieben.

Alles in Allem habe ich also entgegen aller Hoffnung auf ein sauberes Bad gehofft und bin nicht enttäuscht worden, das könnte Ihnen, lieber Leser, auch passieren, denn wer Anderen eine Grube gräbt, stirbt zuletzt.

Am Sonntag durfte ich das erste Mal echte Verantwortung tragen: Weil der Chef des Kulturzentrums auf einer Veranstaltung war, musste ich das Zentrum mit dem Schlüssel, den mir mein Chef Samstag abends in der Pousada vorbeibringen wollte, um 9 Uhr auf- und um 16 Uhr zuschließen. Ich habe gar nicht ernsthaft damit gerechnet, dass er wirklich kommen würde und bewies darin eine gute Kenntnis der brasilianischen Mentalität, er kam nämlich nicht. Am nächsten Morgen standen wir vor verschlossenen Türen. „Klar!“, sagte sich der Capoeiralehrer Rildson, „Die knacke ich einfach auf!“ Gesagt, getan, er nahm sich ein Messer und ein Stück Draht und nach 5 Minuten(es dauerte etwas länger, weil die Kinder, die zuschauten, im Weg standen) war das große Tor offen und alles war gut.

Die Zeit vergeht so schnell in Brasilien, jetzt bin ich schon 2 Monate hier und fühle mich, als ob ich gerade angekommen wäre. Ich entdecke jeden Tag Neues und bin mir immer sicherer, dass ich in einem großen Abenteuerfilm gelandet bin. Seit der Trumanshow bin ich mir natürlich im Klaren darüber, dass Brasilien gar nicht wirklich existiert, sondern nur eine Scheinwelt mit versteckten Hitzestrahlern ist, das macht es aber nicht weniger aufregend. Wie sagt man so schön: Alte Liebe haben kurze Beine

Matheus und ich

Basti, ich und 4 Kinder

In dem Sinne grüßt euch aus dem nicht existierenden Brasilien

Der Carl

Tut nichts, was ich nicht auch täte!

Freitag, 24. Oktober 2008

Dinge, die die Actimelwerbung verschweigt

Liebe zu Informierenden

Schon wieder ist eine Woche um, sie ist wie Usain Bolt vorüber gerannt und hat sich nicht mal verabschiedet.

Ich bin jetzt nicht mehr alleine in der Pousada, Eunice, die Herbergsmutter ist zurück. Das bedeutet in erster Linie ein warmes, mehr oder weniger gesundes Abendessen. Mehr oder weniger gesund ist es vor allem deswegen, weil Eunice die Würste, die Uilquer und ich vor einem Monat aufgetaut haben, dann 2 Wochen frei rumliegen haben lassen und schliesslich in den Kühlschrank gepackt haben, verwertet hat. Das stört mich nicht, ich habe sie trotzdem gegessen. Kurzfristig ist es vielleicht ungesund, langfristig aber gut für das Immunsystem, man könnte es mit Actimel vergleichen, nur, dass alte Würste nicht so umworben werden. Aber die Würste sind ja nicht alles... Der Kühlschrank war voll mit Eiern, Gemüse und Ähnlichem, als Eunice sich verabschiedete. Uilquer und ich benutzten den Kühlschrank aber ausschliesslich zum Kühlen von Wasser, was bedeutet, dass die Eier einzig darauf warten, kulinarisch aufgewertet zu werden.

Uilquer, das ist auch so eine Sache. Uilquer, ein sehr netter und hilfsbereiter Mensch mit komischem Namen, der so verpeilt ist, wie ein schwarzes Loch schwer, ist als Ersatz für Eunice hier in die Pousada eingezogen, weswegen ich viel Kontakt mit ihm hatte. Ich benutze das Wort „haben“ extra in der Vergangenheitsform, weil er seit einer Woche spurlos verschwunden ist, niemand weiss, wo er ist, alle wollen irgendetwas von ihm. Ich auch, ich will vor allem, dass er seine Schildkröte abholt. Er kam nämlich eines Tages mit kindlicher Freude und einem Aquarium an und erklärte mir, dass er sich ab jetzt um diese Schildkröte kümmern will, wie er er sich um sein Tamagochi kümmern würde, wenn er eines hätte. Dieses Viech steht jetzt seit seiner Ankunft bei uns in der Küche auf dem Fensterbrett in seinem winzigen Glaskäfig, schaut mich vorwurfsvoll an und ich muss jeden Tag sein Wasser wechseln und tote Krebse reinwerfen.

Ein anderes Erlebnis mit Uilquer, das aber bereits zwei Wochen zurückliegt, war, als ich mit ihm einen trinken gegangen bin. Nach einem Bier, auf das wir den Abend beschränken wollten, hob er also die Hand, um den Kellner um die Rechnung zu bitten. Der Kellner brachte eine neue Flasche und öffnete sie vor unseren Augen(so macht man das hier). Gut, dann trinken wir halt noch eins. Ich wäre aus dem Vorhergegangenen schlau geworden, Uilquer wiederholte diese Prozedur aber bis zum vierten Bier, ob aus Unverständnis, oder, um mich abzufüllen, weiß ich nicht. Leider kommt hinzu, dass Uilquer nicht besonders trinkfest ist und nach 4 Bieren ziemlich besoffen war. Das war ein Erlebnis, mitten in der Nacht mit einem lallenden Brasilianer den Weg zur Pousada zu finden...

Nach langem Deutschentzug freue ich mich schon, mich mit Michael, der am Sonntag vorbeikommt, zu unterhalten, ich freue mich auch schon sehr auf Basti, der am Dienstag morgen mit seiner Kamera ankommt. Ob wir ein Auto bekommen, um ihn vom Flughafen abzuholen, ist noch unsicher, wir werden es am Tag seiner Ankunft erfahren, was aber kein Grund zur Besorgnis ist, so lange er nichts davon erfährt.

Aus Brasilien grüßt euch wie immer sehr herzlich

Carlinhos

Tut nichts, was ich nicht auch täte!

Freitag, 17. Oktober 2008

Liebeserklärung

Liebe Träume meiner schlaflosen Nächte
welche Nachricht zuerst? Die Gute oder die Bessere?
Also gut, zuerst die Bessere: Meine letzte Freundin, man sagt auch „Ex“, ist Miss Rhein-Main.net geworden! Versteht ihr, was das bedeutet? Wenn ich es schaffe, das intelligent in meinem Lebenslauf unterzubringen, dann stehen mir die Türen nach ganz oben offen. Dann kann ich echt alles machen, vom Hüten der ersten Kinder von Bill Kaulitz, bis zur erfolgreichen Teilnahme bei Big Brother Brasil.
Die gute Nachricht ist, es geht mir hier echt super. Miguel Couto ist sicher nicht der Himmel, dafür sind die Themperaturen viel zu hoch, aber das habe ich auch gar nicht erwartet. Wenn man meinen Blog so liest, könnte man denken, ich würde die ganze Zeit vor Heimweh weinend in der Ecke sitzen, dem ist nur teilweise so. Der Grund, warum ich die positiven, rührenden Szenen nicht so ausführlich geschildert habe, ist, dass ich, wenn ich über Positives rede, schnell sentimental werde. Werde ich aber sentimental, verliebe ich mich auch unglücklich. Dies wäre leider auch die Ursache für mittelschwere Depressionen, welche wiederum meine Sicht auf die schönen Seiten meines Aufenthaltes verzerren würden.
Dabei kommen eigentlich alle Vorsichtsmaßnahmen zu spät, ich habe ich mich schon längst verliebt.
Verliebt in die Toiletten in der Pousada, in denen das Fallobst überirdisch abgebremst wird, was Spuren hinterlässt und man nur einmal alle 5 Minuten spülen kann, wo man das Papier nicht in die Schüssel werfen darf, und hat man es doch gemacht, schnell wieder rausholen sollte, da sonst die Sauerei groß ist, wo gestern das Wasser einen Tag lang abgestellt war und ich nichts davon wusste.
Verliebt in Matheus, einen vierjährigen Jungen im Haus Herbalife, der endlich keine Angst mehr hat, von mir auf den Arm genommen zu werden, der mich, wenn ihm langweilig ist, dazu auffordert, mit meinem Gesicht Ploppgeräusche zu machen, der mir immer zur Begrüßung die Haare aus dem Gesicht schiebt und mir einen Kuss auf die Schläfe gibt.
Verliebt in die Innenstadt von Miguel Couto, wo man sich beim Metzger ein lebendes Tier aussuchen kann und dann beim Schlachten zuschaut, wo man für 2 Euro All-you-can-eat bekommt, wo man aus allen evangelikalen Kirchen Schreie von Dämonenaustreibung und Ähnlichem hoert, wo man schüchternen jungen Männern dabei zuschauen kann, wie sie sich vor einem DVDStand verstohlen umblicken und dann hastig 4 Pornos fuer 10 Reais(ungefähr 3,30 Euro) kaufen und unauffällig verschwinden.
Verliebt in die verschlafene Vorstadt um 6 Uhr morgens, wo die Hunde noch das Sagen haben, wo ich, wenn ich vorbeijogge, ein großes Bellkonzert ausloese, wo die Straße sich nicht über mich beschwert und ich mich nicht über die Straße.
Verliebt in die Unpünktlichkeit der Brasilianer, die mir schon so viele schöne Gespräche gebracht hat.
Verliebt in die Stunden, in denen ich mir diesen Blog aus den Fingern sauge(außer bei diesem Post), immer wieder in Gedanken abschweife und mir wünsche, ich hätte eine Kamera.
„Das Leben ist schön“, dieser Satz gilt für mich bis auf Widerruf!
Bis auf Widerruf grüßt euch auch aus Brasilien
der frischverliebte Carl

Freitag, 10. Oktober 2008

Sex mit Sieben

...Leuten
Liebe Kenner der gepflegten Rockmusik, liebe Gäste,
dass Deutsche prinzipiell gut organisierte, ordentliche, etwas gefühlskalte Büromenschen sind, vor deren inneren Energie das Chaos zurueckweicht, trifft auf mich nur bedingt zu. Das glauben mir hier leider nur die wenigsten, nämlich die, die mein Zimmer bereits gesehen haben. Die Konsequenzen sind fatal: Ich wohne alleine in der Jugendherberge, die für 30 Personen gedacht ist und ernähre mich hauptsächlich von Süssigkeiten, Chips und Obst, das mir die Herbergsmutter Eunice, die gerade Ferien hat, jede Woche vorbeibringt. Ich wünschte ja, sie würde es nicht tun, weil sie jedes mal, wenn sie kommt, eine sehr vorwurfsvolle Miene aufsetzt und sagt, ich solle aufräumen und das obwohl ich mich hier so wohl fühle. Aber nicht nur da, wo ich wohne wird von mir erwartet, dass ich von grundauf aufräume, auch beim Essenslager, dem Almoxarifado habe ich das Gefühl, dass ich da als deutscher Freiwilliger nicht ohne Grund rein gesteckt wurde... Das Ding will organisiert werden, so wie die Löwengrube von Daniel! Also, um meine Formulierung klar zu machen: Mein Chef hat mir gesagt, ich solle mir ausdenken, wie ich den „Saustall“ organisieren will, so mit einem Computerpogramm oder so, das sei ganz mir überlassen.
Wie sollte ich auf so etwas reagieren? Pädagogisch wertvoll wäre vielleicht, meinem Chef durch Inaktivität zu zeigen, dass ich für diese Arbeit nicht geeignet bin und ein Konzept entwickeln, sein Denksystem von Vorurteilen zu reinigen. Weil ich aber keine pädagogische Ausbildung genossen habe und mich auch nicht so sehr fuer Erwachsenenbildung interessiere, habe ich mich dazu entschieden, mich selber zu ändern und ab morgen ordentlich zu sein. Das hört sich einschneidend an, ich spüre davon aber noch nichts. Auf jeden Fall habe ich jetzt in vielen Überstunden mit Microsoft Access, wovon ich hier in Brasilien zum ersten Mal gehört habe, ein komplexes Programm entwickelt, auf das ich sehr stolz bin.
Um das zu feiern bin ich dann am Freitag(Freitag auf Portugiesisch: Sexta-feira, abgekürzt durch Sex, was auch den Titel erklaert, oder was habt ihr erwartet?) mit 7 Leuten in Miguel Couto essen gegangen. Das war nicht besonders spannend, es hat sich nach dem Essen einer nach dem anderen verabschiedet, bis nur noch ich, Uilquer, der als Eunice-Ersatz in die Pousada gezogen ist, aber immer erst um 10 nach hause kommt und seine Freundin Veronika übrig waren. Während die sich an meiner Gegenwart nicht störten und kräftig rumknutschten, konnte ich dann die Wahlergebnisse im Fernsehen beobachten und es hatte tatsächlich Carlinhos Presidente, der mit dem coolsten Lied gewonnen. Den hätte ich übrigens auch gewählt.
Wo wir gerade von Liedern sprechen, ich habe hier in Brasilien den besten Musikvirtuosen der Welt gefunden, er heisst Altamiro Fernando und spielt Gitarre, Bass, Klavier, ziemlich alle Blasinstrumente, Percussion und das spezielle Capoeirainstrument so gut, dass man annehmen muss, er habe seine ganzen 7 Leben nichts anderes zu tun gehabt, als diese Instrumente zu üben. Und dieser Musikus lässt sich herab, mit mir Musik zu machen und hat mich sehr fest in die Arbeit an der nächsten MusikCD von Casa do Menor eingebunden, dazu erzähle ich zu gegebenem Zeitpunkt mehr, ich bin mir über die aktuelle Rechtslage zu solchen Fragen nicht absolut sicher.
Obwohl es etwas anstrengend ist, hier alleine zu leben, ich bin zum Beispiel noch nie aus Nova Iguaçu, das einige brasilienerfahrene Italiener die „häßlichste Stadt Brasiliens“ nennen, rausgekommen, geht es mir hier sehr gut und wir wissen ja alle: Was einen nicht umbringt, macht einen härter.
In dem Sinne grüßt euch alle euer Carl aus Brasilien.

Donnerstag, 2. Oktober 2008

Der vergessene Waffelteig

Offener Brief an Bastian Karstadt

Kamerad!
Um in meinem Blog Gerechtigkeit walten zu lassen, muss ich auch dich einmal erwähnen und weil ich das bis jetzt noch nicht getan habe und du ja vorraussichtlich neben mir die Hauptperson dieses Werkes sein wirst, bekommst du jetzt diesen offenen Brief von mir.
Mir geht es hier sehr gut, die Arbeit mit den Kindern macht viel Spass, bis jetzt gab es erst wenig Kotze wegzuputzen. Ich lebe mich langsam ein, das Verstehen der Sprache funktioniert mit der Zeit besser.
Weil das Erzählen von meiner Arbeit ohne Bilder so trocken ist, verschiebe ich es hiermit jedoch auf den Zeitpunkt, an dem ich deine Kamera mitbenutzen kann.
Die wichtige Frage nämlich ist: Wie fühlt sich ein frischer Waffelteig im nicht angeschlossenen Waffeleisen? Ist ihm kalt? Ist er aufgeregt, gelangweilt, nervös oder böse auf den Koch? Zweifelt er an dem Sinn des Waffelteigdaseins, der darin besteht, sich in die Form einzufügen, geröstet zu werden und irgendwann schließlich in mehr oder weniger fester Form ausgeschieden zu werden? Zweifelt er an der Existenz des Kochs oder sogar an der Existenz des Waffeleisens? Fühlt er sich vielleicht eingeengt? Wie lange braucht er, um sich an das Waffeleisen zu gewöhnen und anzunehmen, dieses sei die echte Welt, mit den lustigen Karos, die ihm in die Seite stechen?
Ich bin überzeugt, er fühlt nichts von all dem, er ist so geduldig, wie Waffelteige nun mal sind, weil er nämlich nicht fühlen oder denken kann. (Diese Aussage kann ich allerdings nicht beweisen)
Ich bringe dieses Beispiel, weil du in einer ähnlichen Situation bist, leider hast du dir ja deine Sehne gebrochen, oder so, und damit schön den Stecker rausgezogen. Ich werde langsam braun (nicht nur geistig), während du noch nicht einmal laufen kannst. Es hat durchaus gute Seiten, dass du noch nicht getoastet wirst, du kannst jetzt in Ruhe all die Fragen beantworten, die sich der Waffelteig nie stellen konnte und du kannst mir Bettzeug mitbringen, das sich nicht von alleine abzieht.
Lieber Bastian, hast du dich schon mal gefragt, was Clowns den ganzen Tag machen? Die Antwort ist: Sie bewerfen sich gegenseitig mit Torten und haben Spaß dabei, oder hast du schon einmal Clowns gesehen, die das anders machen?
Ich habe schon mal in Brasilien reingeschnuppert, es ist das Konditoreigeschaeft unter den Ländern. Solltest du also am 1. November deinem Waffeleisengefängnis entkommen sein, hoffe ich, dass du am Flughafen schon dein geistiges Clownkostüm an hast, dann können wir nämlich direkt anfangen, Brasilien unsicher zu machen (Was nicht besonders schwer sein soll, es ist ja angeblich schon unsicher).
Ich freue mich schon sehr auf deine Ankunft und grüße dich und alle Mitleser wie immer aufs herzlichste.
Zum Schluss noch ein Bild von zwei Tieren auf einer Insel(danke, lieber Borna), die uns beide darstellen sollen, such dir aus, welches du bist!
Hang loose,
Carl

Freitag, 26. September 2008

"Wahlkampf" oder "Der Brasilianer als Solcher"

Liebe Überlebende,
es schüttet wie aus Eimern, nichts geht mehr hier in Rio. Die Busse kommen nur schwer voran, alle wollen nach hause, alle bleiben zu hause, der Strom fällt aus, auf den Straßen bilden sich Bodenseepfuetzen. Sollte man denken, der Einwohner der Heimat des Regenwaldes habe mit Regen Erfahrung, irrt man sich.
Hier schüttet es nicht nur wie aus Eimern, es ist auch noch Wahlkampf. In Rio gibt es in etwa 65 Parteien, die sich in zwei Lager aufteilen: Die, die ihren Genossen ein Krankenhaus versprechen und die, die ihren Wählern mehr Schulen in Aussicht stellen. (Also konservativ und links). Die Einzigen mit sichtbarer politischer Identität sind die mit Hammer und Sichel im Hintergrund. Das wars auch schon an Inhalt. Hier werden nicht die Parteien gewählt, sondern nur die Abgeordneten. Das bedeutet, dass sich der, der es sich leisten kann, einen Spruch wie „Die Arbeit muss weitergehen“, „Frauen in den Kampf“, „Gesundheit durch Kommunikation“ und „Ich habe gemacht, mache und will weiter machen“, oder einfach nur „Wählt mich!“ ausdenkt, in einen Fotoshop geht und sich ein digitales Foto machen lässt und dann Spruch, Foto, seinen Vornamen und eine fünfstellige Nummer auf sein Wahlplakat klebt. Jeder Abgeordete hat nämlich eine fünfstellige Nummer, die er versuchen muss, dem brasilianischem Volke einzuprägen. Die Reichen machen das, in dem sie sich ein Lied schreiben lassen, so ohrwürmig, wie nur möglich und dann je etwa hundert Autos mit aufmontiertem Lautsprecher durch die Stadt fahren lassen, die den Ohrwurm auf höchster Lautstaerke weitergeben. Die Texte sind da zum Beispiel: „Carlinhos Presidente wird gewinnen!/ Die Fünfundwanzigtausend wollen wir alle waehlen“ Oder auch mit Verzicht auf Inhalt einfach nur „Zwanzig, zwei, zwei, zwei! Zwanzig, zwei, zwei, zwei!“
Weil jeder Brasilianer über das Recht verfügt, sich erstens zur Wahl aufzustellen und zweitens ein Forum für seinen Wahlkampf zu bekommen, wird jeder Fernsehsender dazu genötigt, täglich eine Stunde Wahlkampfwerbung auf höchtsem Niveau zu schalten, in der jeder Kandidat sechs Sekunden hat, seine prinzipielle Haltung zu brasilianischer Außenpolitik sowie dem aktuellen Karottenpreis darzulegen. Das sieht dann so aus: „Wählt mich für Gesundheit, Erziehung und Kultur: Dreißig, eins, zwei, drei“ oder, wenn der Kandidat selber nicht das ausreichende Charisma hat: „Wählt meine Tochter, sie sieht nicht nur gut aus, sie setzt sich auch ein für Gesundheit, Kultur und Erziehung: Vierzig, null, dreiundvierzig“
Ob der druchschnittliche Miguel Coutische Brasilianer das mitbekommt, weiss ich nicht genau, der sitzt nämlich morgens, wenn ich zur Arbeit gehe schon in der Bar und trinkt Bodenseebier. Bitte nicht falsch verstehen, ich war noch nie im Bodensee, das Bier schmeckt hier einfach nur so, wie ich mir Bodenseewasser immer vorgestellt habe, nicht chemisch verseucht, nicht ganz geschmacksfrei, es schmeckt mehr nach Pipi als nach Chlor, farblich in Ordnung, gesundheitlich ungefährlich, läuft. Ich habe immer das dumpfe Gefühl, dass es eigentlich anders konsumiert werden sollte, bin mir aber nicht sicher, wie, vielleicht ungekühlt als Autoputzmittel.
Der Brasilianer liebt aber nicht nur sein Bier und Wahlkampfbedudelung beim Trinken, ihm gefällt es auch, scheint mir, aus jeder freistehenden Garage eine evangelische Kirche zu machen, in der er sich immer Dienstags, Donnerstags und Sonntags natürlich anschreien lässt, sich die Sünde der Welt reinzieht und sich freut, dass alle Menschen, ausser die Mitglieder seiner Kirche, in die Hölle muessen.
Ja und das wars von mir diese Woche, nur noch zwei praktische Ansagen: 1.)Man kann die Uhr danach stellen: Jeden Donnerstag bis Samstag gibt es hier bis auf Widerruf einen neuen Post, demnaechst wieder mit Bildern und weniger Gelaber. 2.)Bitte schreibt doch nur einen kleinen Kommentar, liest das hier überhaupt jemand?
Mit psychopatischen Grüßen aus dem verregneten Brasilien,
der Carl

Freitag, 19. September 2008

Unstudierte Pädagogen neigen nur selten zum Tierschutz

Liebe Fanatiker(innen)
3 Wochen sind in Brasilien zu wenig dafür, dass der heiß ersehnte Alltagstrott sich herablässt, einzutreten. Ich erwarte immer noch im Unterbewusstsein, jeden Morgen von meiner Mami aufgeweckt zu werden, mich an einen Frühstückstisch mit mehr als nur Guaranapaste als Auf- und Weissbrotbrötchen als Unterstrich zu setzen und gepflegte Konversation auf deutsch zu halten (Nein, das ist kein Realitätsverlust, die Familie von Alten hat schon von diversen Margarinefirmen Angebote für Fernsehwerbung erhalten, diese jedoch alle aus Demut ausgeschlagen). Stattdessen wache ich in einem Bett auf, dass ich im Schlaf jede Nacht abziehe und frühstücke Weissbrotbrötchen mit Guaranapaste... und gewöhne mich nicht daran. Ich muss auch meine Wäsche selber waschen. Als ich das hörte, war mein erster Gedanke, das sei wie eine Kuh, die die eigene Milch trinkt. Mittlerweile sehe ich es als Unabhängigkeitskampf, der eventuell irgendwann einen Mann aus mir macht, ich freue mich schon drauf.
Ich werde hier oft in größere moralische Zwickmühlen geworfen. Manchmal ist dabei der Pädagoge in mir gefragt: Ist es beispielsweise in Ordnung, dass mir, wenn ein kleines Mädchen sich den ganzen Tag daneben benimmt, alle Geschwister anspuckt und nur am Flennen ist, mal die Hand ausrutscht, oder soll ich es auf die „stille Treppe“ setzen, wozu mir allerdings das Pädagogikdiplom fehlt? Ich könnte es auch auf den Arm nehmen und sagen, wie lieb ich es habe, aber dann fangen die anderen Kinder an zu heulen, weil sie sich zurecht ungerecht behandelt fühlen. Wie weit kann ich gehen, um mir Autorität zu verschaffen? Das Problem dabei ist, dass hier die Pädagogik von Casa do Menor nicht besonders hilfreich ist, weil diese nur besagt, man solle sich vorstellen, die Kinder waeren Jesus und sie deshalb lieben(etwas verkürzt). Ich habe aber ein Problem damit, mir vorzustellen, Jesus sei so gewesen, weil er auf den vielen Bildern, die ich bereits gesehen habe, so lieb und friedfertig ist, dass er an unseren Frühstückstisch passen würde(also in Deutschland), ich habe ihn noch nie spucken gesehen.
Manchmal ist bei mir aber auch der Tierschützer gefragt. Da kam zum Beispiel am Montag, dem einzigen Tag, an dem ich im Essenslager, dem Almoxarifado, arbeite, genau in dem Moment, als ich abschliessen und zum Essen gehen wollte, einer der Arbeiter, ein grosser muskulöser Mann, mit einem süßen schwarzen Welpen im Arm. Der Welpe sah ähnlich aus wie das Schaf vom Jesus(siehe Bild), nur eben in schwarz. Der Mann gab einige Laute von sich, denen ich nach mehrmaliger Wiederholung entnehmen konnte, dass er dieses Ding bis Feierabend bei mir lagern wollte. Weil ich Hunger hatte, holte ich also schnell eine Pappkiste, der Mann steckte den Hund rein, Kiste zu, Tür zu, Mittagessen. Als ich eine Stunde später zurückkam, hörte ich das Winseln schon von Weitem und dann sah ich, dass sich vor der verschlossenen Tür eine Gruppe, bestehend aus weiblichen Einzelteilen, zusammengefunden hatte. Ich konnte nur an allen vorbei gehen, entschuldigende Gesten machen und „Não é o meu“(Das ist nicht Meiner) stottern. Als ich ins Lager reinkam, sah ich direkt, dass das Viech sich aus der Kiste befreit und mir ins Lager gekackt hatte. Leider hatte es so einen Hundeblick drauf, dass ich ihm nur verzeihen konnte. Um ungestört weiterarbeiten zu können habe ich den Hund zurück in die Kiste befördert und ein Tuch drauf getan, nach etwa einer halben Stunde gab der Hund die Ausbruchversuche auf, nach einer weiteren halben Stunde auch das Winseln. Mitleid hatte ich Keines, ich habe den Welpen wegen dem Tuch ja auch gar nicht gesehen. In meinem Sadismus, den ich hier schuldbewusst bekenne, war das einzige Mal, dass ich das Tuch hochgehoben habe, der Moment, an dem ich das Tier für diesen Blog fotographiert habe. Meine Kamera hat kurz danach den Geist aufgegeben, als ich aus Langeweile Zaubertricks aufgenommen habe. Ihr werdet wohl, um Bilder aus Brasilien zu gehen auf Moritz’ oder Bennis Blog gehen müssen, so leid es mir tut. Bilder vom Hund sind dort aber vermutlich nicht.
Nächste Woche geht es dann also schriftlich weiter, tut bis dahin nichts, was ich nicht auch täte! Viele Grüße aus Brasilien,
Carl

Freitag, 12. September 2008

Über Tiere mit Dreads und Chefs mit Zeit

Liebe Fanatiker(innen),
Bevor ich hier auch nur irgendetwas schreibe, will ich angeregt durch einige zweifelnde Rückmeldungen klarstellen, dass es sich bei dem, was in meinem Blog steht um die Wahrheit und nichts als die Wahrheit handelt, höchstens etwas übertrieben. Ich wundere mich ja selber darüber, dass ich mich hier über so vieles wundere, ich hätte nicht gedacht, dass ich hier so viel Neues erlebe, aber so ist es nun mal.
Bei meinem Tagesablauf haben sich einige Sachen geändert, und bin nur noch Montags im Essenslager, dem Almoxarifado(siehe vorheriger Post). Ich bin nämlich in ein neues Haus gekommen.
Dabei muss man wissen, dass hier die einzelnen Häuser, in denen die Kinder und Jugendlichen wohnen, bedeutungsvolle Namen wie „Haus der Hoffnung“, „Haus des neuen Lebens“, „Haus des Kindes Jesu“ und „Haus Don Bosco“ haben. Bei meinem Haus ist das etwas anders, meins ist, glaube ich, nach dem heiligen Herbalife benannt, weil es „Casa Herbalife“ heisst. Es wohnen Kinder zwischen 0 und 6 drin und ist wirklich genial. Die 10 Kinder die da sind, nennen mich inzwischen „tio“(Onkel), als ich das erste Mal durch die Tür kam, riefen sie nur „bicho“, was übersetzt Tier heisst, und zeigten auf meine Haare. Auf jeden Fall wollen die die ganze Zeit durch die Luft geschleudert werden. Dabei halten die sich nicht etwa an meinen Händen oder Armen fest, sondern an meinen Dreads. Ich hoffe, dadurch wachsen die wenigstens schneller! Zwei Mädchen, die immer besonders viel Körperkontakt suchen, haben Läuse und eins der zwei Babys hat mir das erste mal, als ich es auf dem Arm hatte auf den Ärmel gekotzt, was ich dann doch etwas klischeehaft fand. Ich freue mich total, wieder unter Leuten zu sein, auch wenn die Verantwortlichen in Casa Herbalife immer Witze machen, die ich nicht verstehe und deswegen annehmen muss, dass sie über mich sind. Gestern war der erste Tag hier in Brasilien, an dem ich vollkommen ausgepowert von der Arbeit kam, hat doch was, oder?
Ich habe vorgesorgt für den Fall, dass mir die Kinder auf die Nerven gehen und mir nur zwei Tage Herbalife pro Woche verschreiben lassen, am Wochenende arbeite ich im Centro Cultural, wo für die Jugendlichen der Stadt ein Freizeitprogramm angeboten wird. Dadurch, dass ich in die Arbeit eingewiesen werden sollte, habe ich etwas Neues an Brasilien entdeckt: Ich war mit dem Chef um 10:00 Uhr verabredet. Ich komme vollkommen abgehetzt 5 Minuten zu spät an, da ist er noch nicht da, er kam auch nicht etwa nach einer halben Stunde, obwohl in meinem Portugiesischlernbuch stand, dass Brasilianer prinzipiell eine halbe Stunde zu spät kommen, er kam erst um 5 nach 11 an und weil er dann keine Zeit mehr hatte, dauerte die Einweisung 2 Minuten 27 Sekunden (so ungefähr). Zum Glück wusste ich schon längst über alles Bescheid, weil der Moritz, mein Vorgänger mir sehr geholfen hat.
Moritz ist auch ein gutes Stichwort, er und Benni sind soeben auf dem Weg nach hause. (Hier noch einmal vielen Dank fuer eure Geduld mit mir!) Weil Eunice, die Chefin der Jugendherberge, ab Montag fuer einen Monat Urlaub macht, habe ich im nächsten Monat sturmfrei. Das hat eindeutige Vorteile, weil Eunice wie ein Amok laufender Panzer redet, schnell und rücksichtslos, wenn man nichts versteht. Die Taktik heisst einfach so früh wie möglich auf die Seite zu gehen, in meinem Fall nicken und „Intendi“(Verstanden) sagen. Es hat allerdings auch Nachteile, weil ich ohne Moritz und Benni nur noch Brasilianer um mich rum haben, die ich nicht verstehe.
Ich hab Einigen angekündigt, dass ich dieses Mal über brasilianisches Bier spreche. Um euch aber nicht von der Länge her zu überfordern, verschiebe ich das auf die nächste Woche.
Tut also nichts, was ich nicht auch täte!
Viele Grüsse,
Carl

Donnerstag, 4. September 2008

Sein einziger Verbündeter hiess "Almoxarifado"

Liebe Fanatiker(innen)
Leider gibt es hier in meiner Unterkunft viele Gäste und nur einen Computer mit Internet, deswegen gibt es erst jetzt den nächsten Blog... Hätte ich doch einen Laptop mitgenommen!
Nachdem ich am Ankunftstag von Moritz und Benni rumgeführt wurde und Casa do Menor ein wenig kennen gelernt habe, kam am Freitag, also am zweiten Tag, der Carlos, mein Verantwortlicher nach dem täglichen Morgengebet, dass ich natürlich NICHT verstehe, zu mir und gab mir meine Aufgabe für diese Woche (und evtl. auch für länger): Ich bin ab jetzt fuer den Almoxarifado, das Essenslager, verantwortlich. Da kann ich gar nichts falsch oder kaputt machen, weil ich da naemlich nichts machen kann. Ich habe da einen Computer und eben das Lager von Casa do menor. Ich habe heute das erste mal bei spider solitaire das schwere Level geschafft, ich lese ein dickes Buch, dessen Titel ich nicht öffentlich erwähnen moechte, lerne Portugiesischvokabeln, lerne, mit meinen neuen gezinkten Karten umzugehen... und zocke alles, was auf Windows vorinstalliert ist. Manchmal hilft mir dabei ein Junge, der aus sprachlichen Gründen nur wenig („tudo bem?“ „Tudo, e você?“ „Ta!“) mit mir spricht. Gut, ein bisschen aufräumen gehoert schon dazu und an einem Tag haben alle 10 Häuser, in denen die Kinder wohnen, ihr Essen für die ganze Woche abgeholt, das war sehr viel Arbeit, aber zum Arbeiten bin ich ja auch hergekommen.
Es hat auf jeden Fall Vorteile, im Almoxarifado zu arbeiten, man kann ein irre rutschiges Geländer runterrutschen, man hat immer Süssigkeiten und man muss nicht mit unsymphatischen Leuten reden, weil man mit überhaupt niemandem reden muss. Mir passieren beim arbeiten immer wieder ganz lustige Sachen: Ich habe heute morgen zum Beispiel von den komischen Pfefferminzbonbons probiert, die hier manchmal rumliegen... Die haben nach Kleber geschmeckt---> Schnell unter den Tisch gespuckt, ich schaue mir die Packung an, da war das Mottengift! Naja, das kann ja wohl kaum schaden, dann brauche ich halt erstmal keine Wurmkur mehr.
In manchen Situationen ist es sogar optimal, dass ich alleine bin: Es ist ja so, dass die Brasilianer alles Mögliche essen, aber egal, was, immer viel Reis und schwarze Bohnen dazu. Booooohnen! Das Gerücht kann ich bestätigen, vielleicht gewöhnt sich mein Darm mit der Zeit dran... Also, ich geniesse es noch, es gab aber auch noch keine peinlichen Situationen, weil die Leute immer klopfen müssen, wenn sie was von mir wollen.
So, das war das, in diesem Video könnt ihr alle einen Eindruck von dem Almoxarifado gewinnen, ausser meiner Grossmutter, weil ihr Computer dafuer zu langsam ist...
Ich hoffe aber wirklich, dass dieser Blog auf alle, die ihn bis zum Ende gelesen, keinen falschen Eindruck macht, ich fühle mich hier wohl, ich bin ja hierher gekommen, um zu helfen und wenn ich dadurch helfe, dass ich aufpasse, dass das Essenslager nicht wegläuft, mache ich das gerne. Ich knüpfe auch schnell neue Kontakte und habe durch die Kartentricks auch trotzdem Kontakt mit echten Kindern. Ausserdem hoffe ich, wie ich schon vorher geschrieben habe, dass ich bald wegen Burnouts versetzt werde.
Schreibt mir doch mal ein Wort als Kommentar rein, ob ich weniger, interessanter schreiben soll, ob ich jemandem einen Tanga oder eine Banane mitnehmen soll, etc.
Es grüsst euch alle aus dem heissen Brasilien
der Carl,
tut nichts, was ich nicht auch täte!

Freitag, 29. August 2008

Mein erstes Mal

Liebe Fanatiker(innen)

Die Wichtigste Frage, die ich mir seit meiner Ankunft vor 2 Tagen stellen muss, ist: “Alter, wo bist Du hier gelandet?” Ich mache hier nun den Versuch, diesen Ort zu beschreiben und dabei so zu tun, als wuesste ich nicht, dass ich natuerlich in Brasilien bin.
Da faellt zuerst einmal die Fahrweise auf. Als junges unverdorbenes Kind war ich einmal in Italien und habe einen Schock bekommen, weil ich miterleben musste, wie ganz normale Menschen ploetzlich keine Ruecksicht mehr aufeinander nehmen. Meine Fahrweise ist von
diesem Schock noch etwas gepraegt. Hier ist das ganze aber noch mal krasser. Als ich vom Flughafen nach Casa do Menor, wo ich arbeiten werde, gefahren wurde, versuchte ich , mein erstes deutsches Gespraech auf brasilianischem Boden mit Benni, einem meiner Vorgaenger, zu fuehren, waehrend wir auf der Autobahn prinzipiell rechts ueberholten, weil links die Busse fuhren. Das ganze hat mich an ein Computerspiel erinnert, wo man von der Polizei verfolgt wird. In den Kurven ist meine Gitarre die ganze Zeit umgefallen, bis ich sie schliesslich hingelegt habe.
Dann bin ich vorhin das erste mal allein durch Nova Iguaçu gelaufen und wartete dabei brav im Germanstyle an einer Ampel. Als die Ampel gruen wird, hoere ich ploetzlich ein Hupen und ein Auto, das Wahlkampfwerbung aufkleben hat, rast an der wartenden Autoschlange vorbei und biegt mit quietschenden Reifen nach rechts ab, so 5 Sekunden nach Rot. Es hat mir hier aber wirklich niemand gesagt, dass brasilianische Verkehrschilder nur Ratschlaege sind.
Eine andere Sache, die mir auffaellt, ist, dass es hier eine Art Ersatzkommunikation gibt: Immer, wenn man jemanden sieht und keinen Bock hat, mit dem zu reden, dreht man einfach den Daumen nach oben, grinst und sagt “Tudo bem”. Das kommt mir natuerlich sehr entgegen, weil ich sonst immer “Je ne parles pas portugais” wiederholen muesste. Ich sehe aber an Benni und Moritz, meinen Vorzivis, dass man, sobald man portugieisch kann, bei jeder einzelnen Person stehen bleiben und 3 bis 5 Minuten quatschen muss. Ich hoffe, damit werde ich spaeter kein Problem haben.
So, jetzt muss ich gehen und ein paar brasilianische Witze auswendig lernen, dass die morgen akzentfrei sitzen. Morgen oder uebermorgen oder nie geht es dann weiter mit konkreteren Schilderungen und Fotos. Fuer heute muss das eine Foto reichen, weil ich naemlich die ganze Zeit bis jetzt gedacht habe, dass meine Kamera weg waere und ich sie erst beim auspacken zwischen einer Tafel Schokolade und einer Unterhose gefunden habe.
Tut also nichts, was ich nicht auch taete,
Carl

Auf diesem Bild laechelt Benni gerade in die Kamera, Moritz nicht.

Samstag, 28. Juni 2008

Alles zu seiner Zeit...

Hallo, ihr Lieben,
hier werdet ihr ab dem 27. August den genialsten Blog der Welt über mein soziales Auslandsjahr in Brasilien bewundern können.
Bis dahin wartet erstmal der Weltjugendtag in Sydney auf mich...