Liebe zu Informierenden
Schon wieder ist eine Woche um, sie ist wie Usain Bolt vorüber gerannt und hat sich nicht mal verabschiedet.
Ich bin jetzt nicht mehr alleine in der Pousada, Eunice, die Herbergsmutter ist zurück. Das bedeutet in erster Linie ein warmes, mehr oder weniger gesundes Abendessen. Mehr oder weniger gesund ist es vor allem deswegen, weil Eunice die Würste, die Uilquer und ich vor einem Monat aufgetaut haben, dann 2 Wochen frei rumliegen haben lassen und schliesslich in den Kühlschrank gepackt haben, verwertet hat. Das stört mich nicht, ich habe sie trotzdem gegessen. Kurzfristig ist es vielleicht ungesund, langfristig aber gut für das Immunsystem, man könnte es mit Actimel vergleichen, nur, dass alte Würste nicht so umworben werden. Aber die Würste sind ja nicht alles... Der Kühlschrank war voll mit Eiern, Gemüse und Ähnlichem, als Eunice sich verabschiedete. Uilquer und ich benutzten den Kühlschrank aber ausschliesslich zum Kühlen von Wasser, was bedeutet, dass die Eier einzig darauf warten, kulinarisch aufgewertet zu werden.
Uilquer, das ist auch so eine Sache. Uilquer, ein sehr netter und hilfsbereiter Mensch mit komischem Namen, der so verpeilt ist, wie ein schwarzes Loch schwer, ist als Ersatz für Eunice hier in die Pousada eingezogen, weswegen ich viel Kontakt mit ihm hatte. Ich benutze das Wort „haben“ extra in der Vergangenheitsform, weil er seit einer Woche spurlos verschwunden ist, niemand weiss, wo er ist, alle wollen irgendetwas von ihm. Ich auch, ich will vor allem, dass er seine Schildkröte abholt. Er kam nämlich eines Tages mit kindlicher Freude und einem Aquarium an und erklärte mir, dass er sich ab jetzt um diese Schildkröte kümmern will, wie er er sich um sein Tamagochi kümmern würde, wenn er eines hätte. Dieses Viech steht jetzt seit seiner Ankunft bei uns in der Küche auf dem Fensterbrett in seinem winzigen Glaskäfig, schaut mich vorwurfsvoll an und ich muss jeden Tag sein Wasser wechseln und tote Krebse reinwerfen.
Ein anderes Erlebnis mit Uilquer, das aber bereits zwei Wochen zurückliegt, war, als ich mit ihm einen trinken gegangen bin. Nach einem Bier, auf das wir den Abend beschränken wollten, hob er also die Hand, um den Kellner um die Rechnung zu bitten. Der Kellner brachte eine neue Flasche und öffnete sie vor unseren Augen(so macht man das hier). Gut, dann trinken wir halt noch eins. Ich wäre aus dem Vorhergegangenen schlau geworden, Uilquer wiederholte diese Prozedur aber bis zum vierten Bier, ob aus Unverständnis, oder, um mich abzufüllen, weiß ich nicht. Leider kommt hinzu, dass Uilquer nicht besonders trinkfest ist und nach 4 Bieren ziemlich besoffen war. Das war ein Erlebnis, mitten in der Nacht mit einem lallenden Brasilianer den Weg zur Pousada zu finden...
Nach langem Deutschentzug freue ich mich schon, mich mit Michael, der am Sonntag vorbeikommt, zu unterhalten, ich freue mich auch schon sehr auf Basti, der am Dienstag morgen mit seiner Kamera ankommt. Ob wir ein Auto bekommen, um ihn vom Flughafen abzuholen, ist noch unsicher, wir werden es am Tag seiner Ankunft erfahren, was aber kein Grund zur Besorgnis ist, so lange er nichts davon erfährt.
Aus Brasilien grüßt euch wie immer sehr herzlich
Carlinhos
Tut nichts, was ich nicht auch täte!