Freitag, 31. Oktober 2008

Sprichwörtlicher Frühjahrsputz

Liebe Mitglieder unseres geliebten Hasenzüchtervereins, liebe Kinder,

es geschehen noch Zeichen und Wunder. Ein Zimmer so rein wie meine Seele habe ich mir immer gewünscht, sowohl in Deutschland, als auch hier in Brasilien. Während dieser Wunsch in Deutschland noch an mir selber scheiterte, gab mir das Schicksal hier in Brasilien gar keine Chance, schließlich trat ich das Erbe von zwei Zivipaaren ohne Übergangsphase an, die, wie man sich vorstellen kann, etwas Besseres zu tun haben, als ihr Zimmer zu putzen. Ich fände es interessant, mal das gesamte Bad zu mikroskopieren, auch wenn es lange dauern würde. Ich bin geneigt zu glauben, dass, wenn man das gesehen hat, man weder durch Gammelfleisch, noch durch Horrorfilme geschockt werden kann… Bis heute! Am Dienstag ist nämlich nach langem Warten der Basti angekommen und hat gleich mal das Bad geschrubbt. Nicht nur, wie ich es sonst mache, desinfiziert, nein, richtig geschrubbt. Und, ja, ich habe die Algen gesehen, die hier in den Ritzen wohnen. Das kann man nur noch mit den Haaren toppen, die ich aus dem Waschbecken geholt habe. Es war eine Hand voll. Das ist allerdings lange her, ich habe nur aus Demut und schweigendem Heldentum nichts davon im Blog geschrieben.

Alles in Allem habe ich also entgegen aller Hoffnung auf ein sauberes Bad gehofft und bin nicht enttäuscht worden, das könnte Ihnen, lieber Leser, auch passieren, denn wer Anderen eine Grube gräbt, stirbt zuletzt.

Am Sonntag durfte ich das erste Mal echte Verantwortung tragen: Weil der Chef des Kulturzentrums auf einer Veranstaltung war, musste ich das Zentrum mit dem Schlüssel, den mir mein Chef Samstag abends in der Pousada vorbeibringen wollte, um 9 Uhr auf- und um 16 Uhr zuschließen. Ich habe gar nicht ernsthaft damit gerechnet, dass er wirklich kommen würde und bewies darin eine gute Kenntnis der brasilianischen Mentalität, er kam nämlich nicht. Am nächsten Morgen standen wir vor verschlossenen Türen. „Klar!“, sagte sich der Capoeiralehrer Rildson, „Die knacke ich einfach auf!“ Gesagt, getan, er nahm sich ein Messer und ein Stück Draht und nach 5 Minuten(es dauerte etwas länger, weil die Kinder, die zuschauten, im Weg standen) war das große Tor offen und alles war gut.

Die Zeit vergeht so schnell in Brasilien, jetzt bin ich schon 2 Monate hier und fühle mich, als ob ich gerade angekommen wäre. Ich entdecke jeden Tag Neues und bin mir immer sicherer, dass ich in einem großen Abenteuerfilm gelandet bin. Seit der Trumanshow bin ich mir natürlich im Klaren darüber, dass Brasilien gar nicht wirklich existiert, sondern nur eine Scheinwelt mit versteckten Hitzestrahlern ist, das macht es aber nicht weniger aufregend. Wie sagt man so schön: Alte Liebe haben kurze Beine

Matheus und ich

Basti, ich und 4 Kinder

In dem Sinne grüßt euch aus dem nicht existierenden Brasilien

Der Carl

Tut nichts, was ich nicht auch täte!